Quartermixstute Jacky und ich

Auf einmal ist alles klar

Neulich hat mich beim Pferdeäpfel aufsammeln eine Erkenntnis ereilt. Ihr kennt das vielleicht, man sammelt Apfel um Apfel und lässt die Gedanken schweifen. Mir geht es meistens so – außer es regnet in Strömen oder ich friere mir den Hintern ab. Dann habe ich keine Energie zum Nachdenken übrig und mache nur noch. Was auch nicht verkehrt ist. Als Ausgleich zum kopflastigen und bewegungslosen Bürojob ist die körperliche Arbeit so oder so super. Egal ob mit Nachdenken oder ohne.

Neulich dachte ich jedenfalls ganz unschuldig darüber nach, wie sehr ich mir doch ein eigenes Pferd wünsche, dessen Pferdeäpfel ich dann in Ruhe aufsammeln könnte. Dazu muss man wissen, dass ich darüber ziemlich oft nachdenke, weil ich mir wirklich sehr arg ein eigenes Pferd wünsche. Nach 20 Jahren erzwungener Pferdeabstinenz kann sich so ein Wunsch schon ganz schön auswachsen.

Ein Gedanke als Wendepunkt

Aber an diesem Tag war es ganz anders als sonst. Denn während mich normalerweise schnell die „Ach hätte ich dochs“, die „Ich will doch aber so gerns“ und „Wann ist es endlich soweits?!“ heimsuchen und ein unwohles Gefühl von „Es ist so scheiße, kein eigenes Pferd zu haben“ zurücklassen… gab es nun plötzlich aus dem Nichts diesen einen Gedanken im meinem Kopf. So klar und deutlich wie nie zuvor. Plötzlich war er da.

„Unser Weg ist noch nicht zu Ende.“

Ich dachte diesen Satz, ich hörte ihn in meinen Gedanken… und auf einmal war alles klar! Die Zeit für mein eigenes Pferd ist noch nicht gekommen. Der Tag wird kommen, an dem ich mein eigenes Pferd treffe. Aber wann das sein wird, wie die Umstände sein werden – das weiß ich nicht und das Beruhigende ist, dass ich jetzt stattdessen weiß: Ich muss es gar nicht wissen! Jedes Tier, das in unser Leben tritt, kommt genau dann und auf genau die eine Weise, wie es richtig für uns ist. Nicht Menschen suchen ihre Tiere aus. Die Tiere suchen sich ihre Menschen aus. Mein Pony kommt, das weiß ich genau. Aber ich muss jetzt nicht mehr darüber nachdenken, wann und wie und woher. Es wird passieren und es wird gut werden. Wann auch immer es passieren wird.

Mehr Zufriedenheit im Heute

Aber jetzt, im Hier und Jetzt, habe ich erstmal noch eine andere Aufgabe zu erledigen. Alles, was ich tun muss, ist, meinen Weg mit Jacky weiterzugehen. Weil unser Weg eben noch nicht zu Ende ist, weil unsere gemeinsame Lernaufgabe noch nicht abgeschlossen ist. Ich kann nicht genau sagen, ob Jacky selbst mir diesen Gedanken geschickt hat oder ob es mein Bauchgefühl war – oder beide, da das Bauchgefühl eben auch die Stimme unserer Pferde ist (danke Kati für diesen magischen Satz)… Ich weiß nur, dass ich mich jetzt unglaublich befreit und beruhigt fühle. Endlich muss ich keine sehnsüchtigen Gedanken mehr wälzen. Heute hab ich kein eigenes Pony an meiner Seite, aber das ist nicht schlimm. So soll es eben erstmal sein. Während ich das schreibe, kommt mir diese Erkenntnis ein wenig trivial vor… aber für mich ist sie das ganz und gar nicht.

Einfach mal zufrieden sein mit dem, was man hat. Das war nie meine Stärke… Ich schätze, ich darf einen weiteren Eintrag in meine Liste „Was das Pferd mir beibrachte“ schreiben. Ich bin immer wieder fasziniert davon, was Pferde mit uns Menschen machen. Ich entdecke bisher unbekannte Seiten an mir und werde nach und nach irgendwie ein besserer Mensch, auch wenn sich das ein bisschen doof anhört. Aber so fühlt es sich an. Zumindest werde ich geduldiger (zumindest in der Tendenz), klarer und meistere im Alltag Aufgaben, die mich immer wieder fordern. Zum Beispiel ziemlich penetrante Ponys vom Heutnetz fernhalten, wenn ich da saubermachen muss. Oder die anderen Ponys von Jacky fernhalten, wenn ich gerade bei ihr stehe. Es sind alles kleine Dinge, aber für mich ist es wirklich eine Herausforderung, da immer konsequent und aufmerksam zu sein. Wenn ich mal nicht 100 % aufmerksam bin, ist es schnell passiert, dass Jacky von einer der anderen Stuten weggeschickt wird, weil die jetzt auch gerne mal an den Ohren gekrault werden möchte oder unbedingt genau dort jetzt langzugehen gedenkt.

Jacky selbst ist auch ein Pferd, das immer wieder nachfragt und nach meiner vollen Aufmerksamkeit verlangt. Sie fordert mich immer wieder und lässt mich daran wachsen. Heute denke ich, dass ich verrückt sein müsste, mit diesem weisen, geduldigen und flauschigen Pony als Wegbegleiterin an meiner Seite nicht zufrieden zu sein. Ist es nicht ein riesen Geschenk, so ein Pferd im Leben haben zu dürfen? Egal, ob sie mir „gehört“ oder nicht. Auch wenn wir nicht jeden Tag Zeit zusammen verbringen.

Die Prüfung

Da stand ich nun also mit meinem frisch gefassten Entschluss und blickte einer entspannten Zukunft entgegen, als ich keine Woche später hart auf die Probe gestellt wurde. Meine Reitlehrerin schrieb mich an. Sie hatte ein Connemarapony zum Verkauf gefunden, das vor einem Jahr aus schlechter Haltung gerettet und dann aufgepäppelt wurde. Sie bot mir ihre Hilfe an, da sie unbedingt wollte, dass das arme Tier ein gutes neues Zuhause bekommt. Die Stute hatte in der Vergangenheit wohl sehr schlimme Erfahrungen gemacht.

Und meine frisch gefasste Entscheidung geriet stark ins Wanken. Es war zwar eine Schimmelstute und ich hätte gern jede Farbe, bloß keinen Schimmel… aber ich habe schon von vielen gehört, dass sie ihre eigenen Vorstellungen von ihrem Pferd hatten und dann letztlich doch alles ganz anders kam. In mir tobte dann für einen Tag ein ziemlicher Kampf. Im Nachhinein ist es zwar schnell erzählt, aber diese kurze Zeit der Entscheidungsfindung war ziemlich intensiv und anstrengend. Das arme Pony tat mir auch einfach so leid mit seiner bescheidenen Vergangenheit und der Wunsch, dass sie es in ihrem nächsten Zuhause besser hat, war natürlich auch vorhanden.

Das Gemeine an der Sache war, dass es kein klassisches Verstand vs. Gefühl war, sondern eher Verstand vs. Gefühl 1 (Loyalität zu Jacky) vs. Gefühl 2 (Wunsch nach eigenem Pferd und Wunsch, zu helfen). Aber ich hab dann ne Nacht drüber geschlafen und spürte vor allem Gefühl 1. Deswegen hab ich schweren Herzens abgesagt.

Letztlich hat das meine Entscheidung für den Weg mit Jacky nur noch mehr gefestigt. Aber während des Prozesses war es echt anstrengend 😉

Nie mehr ohne flauschiges Fell

Ich bin 20 Jahre lang mit dem begrabenen und irgendwann vergessenen Traum von den Pferden in der Tasche rumgelaufen und habe flauschiges Fell nur von weitem angeschaut. Es ist toll so, wie es jetzt ist. Und ich bin sehr, sehr dankbar dafür, dass mir das jetzt endlich so richtig klar wird.

Es ist jetzt sonnenklar. Jacky und ich haben noch ein gutes Stück Weg zusammen zu gehen und ich freue mich über jeden Schritt. Wir sind schon so weit zusammen gegangen und uns immer näher gekommen. Sie hat mir schon so viel beigebracht und das war noch lange nicht alles.

Danke, meine flauschige Lebensberaterin. Ich hab dich lieb

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