Ebook-Cover mit Pferd und Kati Westendorf in goldenem Licht

Rezension: Ebook „Harmonischer Start mit dem Jungpferd“

Als ich vor einiger Zeit bei Pfernetzt in Kati Westendorfs Vortrag zum Thema „Zusammenarbeit mit Pferden“ saß, ahnte ich noch nicht, wie sehr mich ihre Worte noch beeinflussen würden. Kati hat eine ganz besondere, total motivierende Art, die Dinge zu sehen. Gerade wenn es schwierig wird, wenn man sich unendlich viele Gedanken über sich und sein Pferd macht und man keinen rechten Weg aus dieser Schwere zu finden scheint, hat sie die große Gabe, die richtigen Worte zu finden und einem einfach ein gutes, wohliges Gefühl zu vermitteln. Mit diesem wohligen Gefühl ist es plötzlich viel leichter, an Problemen zu arbeiten. Nach ihrem Vortrag fühlte ich mich damals total befreit und bereit, nach vorne zu schauen.

Über das Ebook

Nun hat Kati ein Ebook mit dem Titel „Harmonischer Start mit dem Jungpferd“ geschrieben. Kati widmet sich auf 77 Seiten dem Anreiten eines jungen Pferdes. Dabei geht es weniger um eine rein technische, dogmatische Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern um eine Orientierungshilfe, um den eigenen, ganz individuellen Weg für sich und sein Pferd zu finden. Kati bietet immer wieder interessante Denkanstöße, die jeder Leser für sich selbst weiterdenken kann. Eine Vorgehensweise, die ich wirklich super finde! Schließlich ist jede Pferde-Mensch-Konstellation anders und es gibt nicht den einen Weg, der für alle passend ist. Natürlich wird es im Ebook aber auch praktisch: Es sind immer wieder Übungen eingebaut, die dabei helfen, sich und sein Pferd besser kennenzulernen und eine gemeinsame Basis aufzubauen. Diesen Satz aus der Einleitung fand ich da sehr passend:

„Lass dich inspirieren, lächle und schüttle den Kopf – denke mit und bilde dir deine Wahrheit. Ich teile nun meine mit dir.“ – Kati Westendorf

Außerdem ist es so, dass der Schwerpunkt zwar darauf liegt, wie man ein junges Pferd auf das Anreiten vorbereiten und wie man dann das Anreiten selbst angehen kann. Es steckt jedoch einiges an Weisheit in diesem Ebook, das sich auch auf die generelle Zusammenarbeit mit Pferden übertragen lässt. Ich habe auch gerade kein Jungpferd und konnte trotzdem einiges für mich mitnehmen.

Ein junges Pferd anreiten – niemals ohne Beziehungsarbeit

Katis Gedanken zur Beziehungsarbeit zählen z. B. zu den Inhalten, die nicht nur für Jungpferdebesitzer interessant sind. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd spielt in Katis Ebook eine sehr große, wenn nicht sogar die größte Rolle. Ihr Credo: Eine vertrauensvolle, von Empathie geprägte Beziehung ist unbedingte Voraussetzung für das Anreiten. Ein gemeinsamer Alltag, viel gemeinsame Zeit mit dem Pferd außerhalb der eigentlichen „Arbeit“ können hier sehr hilfreich sein. Einen wichtigen Gedanken finde ich auch, die Kommunikation mit dem Pferd immer als Dialog zu gestalten und nicht als Einbahnstraße, deren Richtung der Mensch vorgibt. Das Pferd darf eine eigene Meinung haben und sollte angehört werden. Gleichzeitig sollte der Mensch dabei auch seine eigene Meinung und sein eigenes Gefühl nicht vernachlässigen. Ein Dialog auf Augenhöhe soll es sein, der die Bedürfnisse von beiden Beteiligten berücksichtigt.

Außerdem rät Kati dazu, aufs eigene Bauchgefühl zu hören. Etwas, was in unserer rationalen Welt oft vernachlässigt wird. Dabei ist das erste Bauchgefühl meist das richtige und es kann wirklich hilfreich sein, ihm im Zusammensein mit dem Pferd mehr Bedeutung beizumessen:

„Dein Bauchgefühl ist die Stimme deines Pferdes. […] Jegliche Zweifel fügt dein Verstand hinzu.“ – Kati Westendorf

Die Zweifel vom Bauchgefühl fernzuhalten ist für mich eine größere Aufgabenstellung. Aber ich denke auch, dass es sich lohnt, es zu versuchen, wenn wir uns damit unserem Pferd annähern können.

Etwas, das ich mir selbst immer wieder zu Herzen nehmen muss, damit ich es nicht vergesse: Das Verhalten des Pferdes nicht persönlich nehmen und nicht zu stark werten. Das bereitet mir immer wieder Probleme und ist doch so bedeutend. Wenn ein Pferd an einem Tag nicht mitarbeiten möchte, muss das nicht an meiner Person liegen. Es kann einfach einen schlechten Tag haben, sich unwohl fühlen oder ängstlich sein. Pferde handeln nicht absichtlich zu unseren Ungunsten, sie verarschen uns nicht. Das ist einfach viel zu menschlich gedacht.

„Pferde sind sanfte und gutmütige Wesen, die allerdings über einen sehr hohen Selbsterhaltungstrieb verfügen und diesem folgen werden, wenn sie unsicher sind.“ – Kati Westendorf

Der richtige Zeitpunkt zum Anreiten

Bei der Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zum Anreiten gibt es keine pauschale Antwort. Das Pferd muss in seiner körperlichen und geistigen Entwicklung weit genug sein. Es gibt Frühentwickler und Spätentwickler in den verschiedenen Pferderassen, und letztlich hängt es einfach auch vom individuellen Tier ab, wann denn genau diese Entwicklung weit genug ist. Diese Entscheidung kann jeder letztlich nur für sich selbst treffen. Kati gibt uns allerdings im Ebook eine kleine Checkliste an die Hand, die zur Orientierung dienen kann.

Kati plädiert dafür, lieber etwas später zu starten als zu früh. Schließlich kann ein zu frühes Anreiten zu schlimmen körperlichen und auch psychischen Schäden für das Pferd führen. Jeder Pferdebesitzer, der sein Pferd wirklich liebt, möchte das wohl unter allen Umständen vermeiden.

„Wir haben ein ganzes Pferdeleben lang Zeit und es wäre unfair, wenn unser Unwissen oder unsere mangelnde Geduld diese Lebenszeit für unser Pferd abkürzen würde.“ – Kati Westendorf

Das Anreiten ist kein Wettlauf gegen die Zeit. Ich finde es ganz furchtbar, wie früh viele Pferde teilweise angeritten werden. Mit oft fatalen gesundheitlichen Spätfolgen. Dass Kati die Gesunderhaltung des Pferdes ein großes Anliegen ist, finde ich super.

Die Sache mit dem Druck

Katis Gedanken zum Thema Druck haben mich in meiner eigenen Haltung nochmal bestätigt: Es ist sinnvoll, zu wissen, wo die eigenen Grenzen beim Druckmachen liegen. Man kann authentisch nur so viel Druck machen, wie man für sich selbst als tragbar empfindet.

Das erinnert mich an meine ersten Versuche der Bodenarbeit mit Jacky, als ich sie (wie in meinen Bodenarbeitsanfängen nach Parelli gelernt) mit Seilchenwackeln rückwärts schicken wollte und sie genau gemerkt hat, dass ich sowieso nicht so viel Druck machen würde, dass es ihr wirklich unangenehm wird. Weil ich mich nicht damit anfreunden konnte (und kann), dem Pferd in Parelli-Druckstufe 4 den Karabiner am Halfter um die Ohren zu schlenkern. In der Folge blieb Jacky natürlich stehen wie ein Denkmal, und ich musste mir was anderes überlegen. Das war einer der Momente, in denen mir klar wurde, dass ich keine Seilchen mehr schwingen und mich in Drucksteigerungsspiralen verlieren möchte. Das ist allerdings ein Thema für ein anderes Mal…

Kati hat auf jeden Fall absolut recht. Wenn mir selbst etwas unangenehm ist, spürt das Pferd das sofort und reagiert darauf. Also sollten wir uns Gedanken darüber machen, wie weit wir bereit sind zu gehen, um unseren Willen durchzusetzen und wo wir vielleicht lieber abbrechen oder etwas anderes abfragen wollen. Und vielleicht auch sogar darüber, ob unsere bisher gelernten Trainingsmethoden wirklich zu uns passen oder wir vielleicht etwas verändern sollten, damit wir uns zusammen mit dem Pferd dabei wohlfühlen können.

Auch hier gibt es wieder keine pauschale Antwort, weil jeder von uns anders empfindet. Hier hilft es nur, in sich selbst hinein zu horchen.

Missgeschicke sind erlaubt

Katis Umgang mit Missgeschicken ist mir besonders sympathisch. Wie oft ärgert man sich und flucht, wenn etwas danebengeht? Wäre es nicht viel angenehmer, einfach kurz über den Fehltritt zu lachen und dann ganz normal weiterzumachen? Sicher, das wird nicht in jeder Situation funktionieren. Aber doch in viel mehr, als wir vielleicht für möglich halten.

Die Sattelgewöhnung ist so eine Situation. Hier will man natürlich möglichst keine Fehler machen, weil diese Phase der Reitpferdeausbildung grundlegende Bedeutung hat und es besonders wichtig ist, dass sie behutsam abläuft und für das Pferd nicht zum Trauma wird. Nichtsdestotrotz ist es sogar hilfreich, wenn bei der Sattelgewöhnung Missgeschicke passieren. Das Pferd bekommt so die Chance, zu lernen, dass ein rutschender Sattel oder ein klappernder Steigbügel nichts Schlimmes sind und dass ihm auch dann nichts passiert, wenn etwas an ihm herunterfällt.

Wichtig ist der eigene Umgang mit dem Missgeschick. Kein Drama daraus machen (das würde das Pferd erst recht verstören), sondern einfach ganz normal verhalten, als wäre nichts Ungewöhnliches passiert. Diese Gelassenheit ist später im Reitalltag auf jeden Fall Gold wert, vor allem, wenn man tatsächlich mal fällt und das Pferd dann ruhig stehenbleibt, statt in blinde Panik zu verfallen.

Fazit

Ich habe mir für meine Rezension einige Aspekte des Ebooks ausgesucht, die für mich besonders einprägsam waren. Es steht noch eine ganze Menge mehr drin. 🙂 Ich kann euch die Lektüre wärmstens empfehlen, vor allem, aber nicht nur, wenn ihr ein junges Pferd habt, das seine Reitpferdekarriere noch vor sich hat. Es stecken viele inspirierende Gedanken in Katis Texten und das wohlige, motivierte Gefühl, von dem ich anfangs schrieb, stellte sich bei mir auch beim Lesen des Ebooks wieder ein.

Bei der Pferdeflüsterei findet ihr eine Rezension des Onlinekurses zum Ebook.

Das E-Book wurde mir von Kati kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung bleibt davon natürlich unberührt.

Titelfoto: Christiane Heese-Hußmann Fotografie

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