NEIN zum Sperrriemen

NEIN zum Sperrriemen

Der Sperrriemen ist standardmäßig Teil vieler Reithalfter – leider. Er verläuft einmal rund ums Pferdemaul und sorgt dafür, dass das Pferd sein Maul nicht mehr richtig öffnen kann. Auch das Kauen und Schlucken wird durch einen Sperrriemen unterbunden oder zumindest erschwert – je nachdem, wie eng er verschnallt wird. Sogar das Atmen kann dem Pferd schwerer fallen.

Das alles ist nicht gut. Ein solcherart zugeschnürtes Maul führt zu einer ganzen Reihe von unnötigen Einschränkungen für ein Pferd. Diese Einschränkungen können richtig gravierende Folgen für seinen Körper und sein Wohlbefinden haben. Darüber haben Menschen mit wesentlich mehr Pferdesachverstand als ich schon hinreichend geschrieben. Ein Auszug der wichtigsten Argumente gegen einen Sperrriemen:

  • Das Pferd kann nicht mehr kauen, weil es das Maul nicht mehr weit genug öffnen kann. Das sorgt u.a. für Muskelverspannungen bis in den Schulterbereich und verhindert eine entspannte Haltung beim Reiten, die für eine gesunde Bewegung aber unerlässlich ist.
  • Das Pferd kann nicht mehr richtig schlucken, was die Atmung beeinträchtigen kann.
  • Zusätzlich: Kommt der Speichel über längere Zeit nicht mehr im Pferdemagen an, kann das für Magenprobleme sorgen. Der Speichel wird dort nämlich kontinuierlich gebraucht, um die aggressive Magensäure in Schach zu halten.
  • Das Pferd kann den Trensendruck nicht mehr durch ein leichtes Maulöffnen kompensieren. Das bedeutet Schmerzen im empfindlichen Pferdemaul.

Warum Sperrriemen verwendet werden

Warum werden Sperrriemen denn eigentlich überhaupt benutzt, wenn sie so viele Nachteile für das Pferd haben? Die Gründe kann man grob einteilen in:

  • Fehlendes Wissen über den Schaden, den so ein Sperrriemen anrichtet, und die Tatsache, dass viele Reithalfter standardmäßig einen Sperrriemen haben
  • Bewusster Einsatz, um Widersetzlichkeiten des Pferdes zu unterbinden, wie z. B. Zunge rausstrecken, Maul aufreißen, gegen die Trense arbeiten

Klar, der Sperrriemen sorgt dafür, dass solche unerwünschten Widerstandsreaktionen verschwinden – zumindest äußerlich. Aber um welchen Preis?

Sperrriemen aus Pferdesicht

NEIN zum Sperrriemen
Foto: iStock.com/acceptfoto

Um zu erkennen, wie fies so ein Sperrriemen für das Pferd wirklich sein kann, sollten wir mal versuchen, uns das Ganze aus der Perspektive des Pferdes vorzustellen. Es ist in voller Reitmontur, also mit Sattel, Zaumzeug, Trense. Und dazu noch der Sperrriemen um das Maul. Wie fühlt sich das wohl an? Vor allem, wenn die Trense vielleicht nicht richtig sitzt (was ja häufig ein Grund dafür ist, warum das Pferdemaul mit einem Sperrriemen eingeschnürt wird), der Nasenriemen vielleicht auch noch zu eng verschnallt ist – und dann obendrauf noch ein Sperrriemen, der das ganze Maul umschließt und sein Öffnen so gut wie unmöglich macht? Das Pferd ist der Situation komplett ausgeliefert. Es kann die Position der Trense im Maul nicht verändern, es kann dem Trensendruck nicht ausweichen. Es kann nicht kauen, nicht richtig schlucken, im schlimmsten Fall sogar nicht richtig atmen. Welche Gefühle löst das wohl im Pferd aus? Wohl kaum Entspannung und Wohlbehagen. Ein Pferd mit zugeschnürtem Maul ist in seiner Handlungsfähigkeit und auch in seiner Bewegung eingeschränkt und wird vielmehr Widerstreben, Hilflosigkeit, Angst bis hin zur Panik verspüren. Dazu noch körperliche Schmerzen.

Die Symptome weggeschnürt

Kann das ernsthaft jemand seinem Pferd antun wollen? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen!

Dem Pferd einen Sperrriemen umzuschnallen, um seine Widersetzlichkeiten zu unterbinden, bedeutet, die Augen vor den Ursachen zu verschließen und die Symptome einfach wegzuschnüren.

Der Mensch sieht sie nicht mehr und muss sich nicht weiter damit beschäftigen. Aber das Pferd leidet weiter, sogar doppelt. Unter der Situation, die ursprünglich zu den Problemen geführt hat und die ungelöst noch immer besteht, und dazu noch unter dem einengenden Sperrriemen. Gegen nichts von beidem kann das Pferd etwas tun. Es wird sich in den meisten Fällen still in sein Schicksal ergeben und stumm leiden, wie es eben Pferdeart ist.

Ein kleines Stückchen Freiheit

Ein Wildpferd in den Dünen bei Egmond aan Zee in den Niederlanden

Es leidet vielleicht nicht jedes Pferd Höllenqualen, wenn es einen Sperrriemen trägt. Wenn der Sperrriemen nicht zu eng verschnallt ist, ist es vielleicht nur ein unangenehmes Gefühl. Aber wäre es nicht schön, dem Pferd beim Reiten so wenige unanangehme Gefühle zu bescheren wie möglich? Schließlich trägt es uns schon bereitwillig durch die Gegend, lässt sich satteln und aufzäumen… alles Dinge, die das Pferd in seiner Freiheit einschränken und die wir nicht als selbstverständlich sehen sollten, sondern vielmehr als Geschenk des Pferdes an den Reiter. Warum geben wir dem Pferd nicht dadurch ein bisschen zurück, dass wir sein Maul nicht zuschnüren? Lassen wir dem Pferd sein Maul und ein kleines Stückchen Freiheit. Die Freiheit, das Maul beim Reiten weit genug öffnen zu können. Die Freiheit, kauen zu können und richtig zu atmen. Die Freiheit, uns signalisieren zu dürfen, wenn etwas mit der Trense, dem Nasenriemen, dem Sattel oder was auch immer… nicht stimmt. Lasst uns Widersetzlichkeiten ernst nehmen und ihre Ursachen ergründen, anstatt das Pferd einfach mit einem Sperrriemen zuzuschnüren und ihm seine Stimme zu nehmen. Kein Pferd verweigert sich aus Boshaftigkeit oder um uns zu ärgern. Es gibt dafür immer Gründe und es ist unsere Pflicht, diese Gründe herauszufinden. Lasst uns den Pferden zuhören und einen gemeinsamen Weg finden, bei dem das Pferd und seine Bedürfnisse nicht auf der Strecke bleiben. Ein erster Schritt in diese Richtung ist das Ablegen des Sperrriemens.

Einen anderen Weg gehen

Bitte, denkt darüber nach, ob euer Pferd wirklich einen Sperrriemen tragen muss. Reflektiert eure Gründe, die ihr für das Tragen des Sperrriemens habt. Wiegen die tatsächlich schwerer als die negativen Auswirkungen für euer Pferd? Könnt ihr vielleicht gemeinsam einen anderen Weg einschlagen, der für euer Pferd angenehmer zu gehen ist? Es mag sein, dass das für euch mehr Aufwand bedeutet. Aber letztlich wird euch dieser Weg näher zu eurem Pferd führen.

Ich bitte euch, denkt darüber nach. Informiert euch. Macht es eurem Pferd so angenehm wie möglich. Gebt ihm etwas zurück.

Weiter informieren könnt ihr euch z. B. hier:

Aktion gegen den Sperrriemen

Es gibt außerdem gerade eine Aktion „Sperrriemen? Nein danke!“ vom Rheinwald Verlag, die sich für ein Verbot von Sperrriemen einsetzt. Wenn ihr bis zum 28. Februar 2017 im Rahmen der Aktion euer Statement gegen den Sperrriemen an Christina von Slaka – für entspannte Pferde schickt, könnt ihr sogar noch Bücher oder ein pferdiges T-Shirt gewinnen, die Christina zusammen mit dem Verlag verlost. Details zu den Teilnahmemöglichkeiten und den Gewinnen findet ihr hier bei Slaka.

Ich würde mich so freuen, wenn die Sperrriemen irgendwann von den Pferdemäulern verschwinden würden. Deswegen mache ich gerne bei der Aktion mit und hoffe, dass sie ganz viele Pferdemenschen erreicht.

5 Kommentare

  1. Total toller Beitrag👍🏻 ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich bis vor 2 Jahren auch mit Sperriemen geritten bin, weil ich einfach nicht wusste, wie schlimm der eigentlich ist und es mir in der Reitschule auch nicht anders beigebracht wurde😕 Mittlerweile habe ich aber gelernt mir zu allem eine eigene Meinung zu bilden und vor allem den Sinn von „Hilfsmitteln“ klar zu machen. Ich würde zum Beispiel nicht mehr mit Sporen reiten oder eben mit Sperriemen. Ich finde es echt erschrecken, wie viele noch mit sperriemen reiten und sich den Auswirkungen hierbei gar nicht bewusst sind… Vielleicht konntest du mit dem Beitrag ein paar Leute zu Mir nachdenken anregen😊

    • Liebe Anna, danke für deinen tollen Kommentar! Ich finde es total super, dass du keinen Sperrriemen mehr benutzt und dass du dir Gedanken über die Pferdeausrüstung machst. 🙂 Leider ist es ja in sehr, sehr vielen Reitschulen so, dass Sperrriemen, Hilfszügel & Co. zur Tagesordnung gehören, sodass die meisten von uns es so beigebracht bekommen. Das ist wirklich sehr schade! Ich habe aber im Gespräch mit anderen Pferdeverrückten jetzt schon ganz oft gehört, dass sie es zwar auch so gelernt haben, aber dass sie irgendwann angefangen haben, sich zu informieren und dass sie seitdem einige Dinge anders machen – wie bei dir, und das ist wirklich großartig. Ich hoffe auch sehr, dass all die Beiträge zum Sperrriemen dazu beitragen, dass mehr Pferdemenschen ins Nachdenken kommen über die Ausrüstung, die sie an ihrem Pferd benutzen. Ganz liebe Grüße, Tina

  2. Pingback: Valegros Schwippschwager - Pfridolin Pferd

  3. Hallo, es müsste nicht nur der Sperriemen, sondern jegliche Art von Sporen, Gebissen und vieles mehr verboten werden. Und vor allen Dingen sollte jeder Pferdebesitzer eine Umgangsprüfung für Pferde absolvieren und vielleicht noch das Pferdeflüstern erlernen😉lieben Gruß Elke

    • Liebe Elke, mit Bedacht angewendet, sind Sporen und Gebiss für mich nicht zwingend verwerflich. Natürlich soll das Pferd aber keine Schmerzen durch irgendwelche Hilfsmittel haben, daher braucht es dafür ein ruhiges Bein und eine weiche Hand. Der Sperrriemen ist für mich einfach ein komplett überflüssiges Ausrüstungsteil ohne jede gute Seite.

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