Mein lang vergessener Traum vom Reiten

Mein lang vergessener Traum vom Reiten

Es war im November 2016 und ein großer Zufall, dass ich mich nach langer Zeit wieder an meinen Traum vom Reiten erinnert habe. Wie wir genau auf das Thema Pferde gekommen sind, weiß ich nicht mehr; aber auf einmal erzählte mir meine Arbeitskollegin von einer besonderen Pferderasse, die bei Pferdehaarallergikern kaum oder keine allergischen Reaktionen hervorrufen soll. Wow. Das wusste ich nicht! Diese Information musste sich erstmal setzen, um von mir in ihrer ganzen Tragweite verstanden zu werden.

Pferdephase ohne Pferde

Ich hatte zu Jugendzeiten nämlich eine sehr ausufernde Pferdephase, was an sich nicht ungewöhnlich ist. Wie so viele andere kleine Mädchen verschlang ich Bücher mit Pferdegeschichten, hörte Bibi und Tina bis zum Abwinken und liebte überhaupt alles, was mit diesen hübschen vierhufigen Pflanzenfressern zu tun hatte.

Leider ist es ziemlich hart, pferdeverrückt zu sein, wenn man allergisch gegen das Fell und vor allem den Staub, das Heu und das Stroh im Stall ist. Ich war einmal in meinem Leben in einer Reithalle, weil ich so gern mal zuschauen wollte – danach war ich wegen des staubenden Bodenbelags kurz vorm Erstickungsanfall und mir war klar, dass das Thema für mich erledigt ist. Weil es einfach nicht geht, wenn ich gleichzeitig überleben wollte. Das war damals ein trauriger Tag, aber natürlich kam ich drüber hinweg. Ich dachte fortan bis zu jenem Novembertag etwa 20 Jahre später nicht mehr daran, wie gern ich doch reiten und Pferde in meinem Leben haben würde. Was hätte es auch für einen Sinn gehabt? Gründe für schlechte Laune gab’s schon immer genug andere.

Auf einem meiner Spazierwege in der Nähe meiner alten Wohnung gibt es einen Reiterhof, an dem ich in den letzten paar Jahren oft vorbeigegangen bin. Ich habe den Pferden gerne beim Grasen, auf dem Reitplatz oder beim Aus-der-Box-Linsen zugeschaut. Den Wunsch nach dem Umgang mit Pferden hatte ich aber so tief vergraben, dass er einfach gar nicht mehr aufkam und es mir auch nichts ausmachte, Pferde zu sehen und zu wissen, ich kann ihnen niemals wirklich näherkommen.

Hypoallergene Pferde

Und nun höre ich also von dieser mysteriösen Pferderasse, deren Name meiner Arbeitskollegin zunächst entfallen war. Als ich an diesem Tag von der Arbeit nach Hause kam, schwang ich mich sofort vor den Rechner und begann, nach diesen besonderen Pferden zu suchen. Aufgeregt und mit ein bisschen Herzklopfen (schließlich fühlte ich mich auf einmal wieder wie mit 12 und war quasi kurz davor, meine Bibi-und-Tina-Kassetten wieder rauszukramen!) saß ich vor dem Bildschirm und fand recht schnell, wonach ich suchte: Curly Horses. Hypoallergene Pferde mit lustigen Löckchen im Fell und Mähnen, die manchmal wie Dreadlocks aussehen.

Ein Curly Horse mit lockigem Fell und lockiger Mähne
Foto: iStock.com/DawnYL6161

Ich habe dann noch gefühlt fast das komplette Internet weiter nach Informationen über diese geradezu messianischen Huftiere abgesucht und fühlte eine sich stetig potenzierende Begeisterung in mir aufsteigen. Konnte es doch sein?! Pferde und ich? Ich versuchte und versuche immer noch, meine Hoffnungen nicht zu groß werden zu lassen. Wer möchte schon den gleichen Tod ein zweites Mal sterben? Also ich nicht. Allerdings ist das wirklich schwer, denn mittlerweile bin ich wieder mindestens so verrückt nach Pferden wie damals mit 12, vor über 20 Jahren. Ich kann einfach nicht anders!

Aber was hat es eigentlich mit diesen Lockenpferden auf sich? Curly Horses haben ein anderes Fell als „normale“ Pferde. Nicht nur wegen den Löckchen, auch generell – das Fell ist talghaltiger und enthält keine oder kaum allergieauslösende Stoffe. Curlys riechen auch nicht nach klassischem Pferd, sondern eher nach Schafwolle. Das muss ich noch eigennasig überprüfen, worauf ich schon sehr gespannt bin. 😉 Manche Curlys haben auch glattes Fell, was den hypoallergenen Eigenschaften aber keinen Abbruch tut.

Curly-Zuchthengst CHG Gentleman
Foto: Curly Horses Germany

Offensichtlich ist diese tolle Rasse in Deutschland nicht ansatzweise so bekannt wie in ihrem Ursprungsland, den USA. Ich finde, dass sich das insbesondere im Hinblick auf allergische Pferdeträumer unbedingt ändern sollte! Über die tollen Curly Horses möchte ich bei Gelegenheit noch einen separaten Beitrag veröffentlichen. Im Januar oder Februar steht für mich auch noch ein Schnupperbesuch bei Curly Horses Germany im bergischen Hückeswagen an. Dort werden nicht nur Curlys gezüchtet, sondern man kann auch Reitunterricht auf Curly-Schulpferden nehmen und sogar Reiterferien dort verbringen.

Vielen Dank auch an Daniela Söhnchen von Curly Horses Germany, dass ich das Foto von ihrem Zuchthengst CHG Gentleman für diesen Beitrag verwenden darf! Hat der nicht tolle Löckchen?! Bei meinem Schnupperbesuch werde ich die Pferde und ihre Löckchen ausgiebig anschauen und anfassen, um meine allergische Reaktion zu testen. Große Freude! <3

Staub, Heu und Stroh – oder: die nichthaarigen Feinde des Allergikers

Leider ist es so, dass die Pferdehaare nicht mein Hauptproblem sind. Ich bin allergisch gegen Staub, Heu und Stroh – Dinge, die in einem Stall durchaus in größeren Mengen vorkommen können. Das lässt sich leider genausowenig wegdiskutieren wie die Existenz der Allergien selbst.

Nun gibt es aber Ställe und Ställe. Je geschlossener das Gebäude, desto schlechter für den Allergiker. Bei mir ist es zumindest so, dass frische Luft sehr viel Schärfe aus der allergischen Reaktion rausnimmt. Ein Stall, der z. B. zu einer Seite hin offen ist und durch den immer frische Luft zirkuliert, ist allergikerfreundlicher als ein komplett geschlossenes Gebäude. Ideal für den Allergiker ist es natürlich, wenn es in einem Offenstall gar kein richtiges Gebäude gibt, sondern nur überdachte Unterstände ohne Wände.

Vor der Reithalle habe ich aus naheliegenden Gründen immer noch großen Respekt. Ob es für mich heute wirklich möglich sein wird, mich überlebensfähig längere Zeit in einer Reithalle aufzuhalten, muss die Zukunft zeigen. Ich werde es ausprobieren und dann entscheiden. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, Einzelreitstunden draußen auf dem Reitplatz zu nehmen. Denn draußen ist ein guter Ort. Das finde ich ja sowieso, aber in Bezug auf meine Allergien und das Reiten ist es, glaube ich, ein ganz besonders guter Ort. Ich werde über den weiteren Verlauf hier auf dem Blog berichten.

Mein hoffnungsvoller Feldtest

Um ein bisschen zu testen, wie ich mit meinem heutigen Allergiestatus (Allergien können sich im Lauf der Zeit verändern, habe ich festgestellt) auf die Allergene in einem normalen Reitstall reagiere, war ich ein paarmal mit meiner Freundin Claudia bei ihrem Reitbeteiligungspferd. Dieser Mini-Feldtest ist äußerst positiv verlaufen und gibt Anlass zur Hoffnung: Ich habe das Pferd immer ohne Handschuhe angefasst (was für ein Traum! Dieses weiche Fell! Ich liebe das! <3), geputzt, gestriegelt und gekämmt. Ich hatte davon keine nennenswerte allergische Reaktion. 7. Himmel ist euch ein Begriff? Hach… Vielleicht ist es sogar tatsächlich möglich, dass ich mit normalhaarigen Pferden umgehen kann, ohne Allergieprobleme zu bekommen. Das wäre so toll, dass ich wahrscheinlich nachts nicht mehr schlafen kann, wenn es wirklich so ist!

Das einzige, was mich ein wenig schniefen ließ, war der Stall. Eventuell war es auch der Kuhstall gegenüber. An der frischen Luft auf der Weide oder beim Spazierengehen hatte ich keinerlei Probeme. Es war so toll, und ich so glücklich.

Eine Schimmelstute frisst Möhrenstückchen aus der Hand

Dann habe ich auch mal die Box ausgemistet. Das machte mir überhaupt keine Probleme. Außer, dass mir die Pferdeäpfel dauernd durch die Mistgabel fielen. 😉 Ich habe sogar Heulage aus einer großen Rolle gezupft (mit ganzem Körpereinsatz: Heu von oben bis unten an mir!) und in ein Heunetz gestopft, was ziemlich frickelig war. Dabei hatte ich vorsorglich Handschuhe an. Das Stroh einstreuen war etwas zu staubig für mich. Ob ich das dauerhaft machen kann, weiß ich nicht. Vollgekacktes Stroh entfernen ist jedenfalls schon mal kein Problem. Vielleicht kann ich im Schulstall als Ausgleich fürs Nicht-einstreuen-können ja zusätzlich eine andere Aufgabe wie Misten oder Mist wegfahren oder was auch immer mir keine triefende Nase beschert übernehmen. Bestimmt gibt es dafür eine Lösung. Da bin ich mir sicher. Jawohl.

Begleitet mich auf meinem verspäteten Weg zu den Pferden

Ich werde diesem Thema jetzt vermehrt Raum auf dem Blog geben. In der neuen Kategorie Herbstpferd (zugänglich über das schwebende Menü oben) findet ihr ab jetzt alle meine pferdigen Posts. Das Titelbild dieser Beiträge enthält immer das neue Herbstpferd-Logo, um die Pferdeinhalte zusätzlich zu kennzeichen:

Das Logo hat mein Freund gezeichnet (Danke! <3). Die Vorlage war ein Urlaubsfoto von einem sehr zufrieden schauenden Wildpferd in den Dünen von Egmond aan Zee in Holland. Herbstpferd als Kategoriename trifft es ganz gut. Zwar bin ich mit Anfang 30 hoffentlich noch nicht ganz im Herbst des Lebens angekommen ;), aber dennoch findet mein Einstieg in die Pferdewelt ganz schön spät statt.

Begleitet mich auf diesem verspäteten Weg in Richtung Pferd. Für mich bedeutet die Möglichkeit, Pferden doch noch näher zu kommen, unglaublich viel. Es geht mir auch nicht nur um das Reiten, auch wenn ich darauf große Lust habe. Es ist vielmehr überhaupt der Umgang mit diesen faszinierenden Tieren. Für mich ist es ein riesiges Geschenk, mit Pferden zusammenzusein und an ihrem Leben teilhaben zu dürfen. Gerade weil ich es mein ganzes bisheriges Leben lang nicht konnte, oder einfach nicht wusste, dass ich es vielleicht unter anderen Umständen als damals in der staubigen Reithalle sogar doch gekonnt hätte.

Ich werde euch an meinem Weg zu den Pferden teilhaben lassen und über meine Erfahrungen als erwachsene und allergische Reit- und Pferdeanfängerin berichten. Dabei werde ich bestimmt Fehler machen und nicht immer alles genau richtig wissen. Ich bin keine Pferdeexpertin, aber ich möchte eine werden. Ich möchte verstehen, wie Pferde die Welt und den Menschen sehen. Daran arbeite ich. Und bis dahin werde ich hier vor allem Freud und Leid des mit Problemen behafteten Anfängers mit euch teilen. 😉

Anderen Allergikern möchte ich Mut machen, vor allem denjenigen, die „nur“ eine Pferdeehaarallergie haben. Mit den Curly Horses gibt es für euch eine tolle Möglichkeit, trotz der Allergie mit Pferden Kontakt zu haben. Das muss man zwar auch im Einzelfall testen, es ist aber insgesamt wesentlich leichter, der Allergie zu trotzen, als mit zusätzlichen doofen Allergien gegen Substanzen wie Heu und Staub im Stall. Ich möchte auch das meistern, rate aber allen anderen grundsätzlich zur Vorsicht, denn:

Beachtet bitte:

Ich bin kein Arzt und berichte hier lediglich über meine persönlichen Erfahrungen mit meinen eigenen Allergien. Wenn ihr auch eine odere mehrere stallrelevante Allergien habt, besprecht das auf jeden Fall mit eurem Arzt, bevor ihr Experimente unternehmt. Mit allergischen Reaktionen ist nicht zu spaßen. Ich glaube zwar ganz fest daran, dass ich für mich einen Weg finden werde, meinen Allergien ein Schnippchen zu schlagen, aber: Jeder Mensch und jede Allergie ist unterschiedlich. Was dem einen möglich ist, kann bei dem anderen vielleicht einen schweren allergischen Schock auslösen. Also nicht leichtsinnig sein und immer vorher einen Arzt ins Boot holen.

Ein Danke. Und auf los geht’s los!

Ohne den Tipp mit den Curly Horses wäre mir mein Kindheitstraum wahrscheinlich nie wieder eingefallen. Danke liebe Jutta, für diesen erleuchtenden Tipp! Wirklich, von Herzen danke. <3 Und danke Claudia, dass du mich mitgenommen hast und ich meine dilettantischen Putzhände an deiner schlammliebenden Reitbeteiligungsschimmelstute erproben durfte. <3 Eure Hilfe ist sehr wichtig für mich!

Und auch wenn das letzte Wort über meine Stall-Allergien noch nicht gesprochen ist und auch das hypoallergenste Curly Horse nichts gegen meine Staub-usw-Allergien ausrichten kann. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass es da draußen einen Weg gibt für mich. Nichts geschieht ohne Grund.

Zwei Pferde auf der Weide beim Grasen

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