Historische Fischerboote im Hafen von Greetsiel

An der Nordseeküste: Greetsiel

Letzte Woche habe ich euch von der ersten Hälfte meines Nordsee-Kurztrips in Norddeich erzählt. Heute ist mit Greetsiel der zweite Teil an der Reihe.

Greetsiel ist ein kleines, aber feines historisches Fischerdorf im Westen Ostfrieslands. Es gehört zur Gemeinde Krummhörn und liegt in der Leybucht. Bekannt ist Greetsiel vor allem für seinen hübschen Hafen, in dem einige historische Krabbenkutter liegen.

Historische Fischerboote im Hafen von Greetsiel

Wie man sieht, hatten wir in Greetsiel zwischendurch richtiges Kaiserwetter. Natürlich nicht die ganze Zeit. Aber wir hatten ja mittlerweile unsere winddichten Jacken, deswegen konnte uns das Wetter auch sonst wenig anhaben. Greetsiel ist vor allem ein Ausflugsort, der tagsüber richtig gut besucht ist. Abends leeren sich die Straßen aber echt schnell und auf einmal kommt man sich sehr einsam vor. Mir ging es zumindest so. Ich fand es sogar abends und nachts ein wenig gruselig – denn in unserem Hotel habe ich während unseres Aufenthalts auch keine anderen Hotelgäste gesehen oder gehört.

Das kann allerdings auch daran liegen, dass das Hotel recht teuer und gleichzeitig sehr unkomfortabel war. Wir haben pro Nacht für unser Doppelzimmer 107 € bezahlt – ein Preis, der doch gewisse Erwartungen weckt. Leider wurden die überhaupt nicht erfüllt, und ich würde auf gar keinen Fall noch mal dort übernachten. Deswegen kann ich euch für Greetsiel leider keine Hotelempfehlung geben.

Silbermöwe sitzt grummelig auf einem Pfahl vor einer grünen Wiese

Damit ich nicht noch mal so gucken muss wie die leicht angesäuerte Möwe auf dem Foto, nehmen wir uns nächstes Mal am besten lieber eine hübsche Ferienwohnung irgendwo im Umland und fahren dann auch nur mal ausflugsmäßig nach Greetsiel. Der Ort an sich lohnt sich nämlich auf jeden Fall.

Neue Flügel für die Zwillingsmühle

Neben dem malerischen Hafen sind auch die beiden Greetsieler Zwillingsmühlen ein Wahrzeichen des Dorfs. 2013 wurde die grüne Zwillingsmühle bei einem Sturm schwer beschädigt und stand zwischenzeitlich traurig und gänzlich ohne Flügel in der Landschaft. Wir hatten zufällig das Glück, genau zu der Zeit in Greetsiel sein, als die Zwillingsmühle ihre neuen Flügel bekam. Der NDR war auch vor Ort und hat ein hübsches Zeitraffervideo von der Flügelmontage aufgenommen.

Greetsieler Zwillingsmühle bekommt neue Flügel

Greetsieler Zwillingsmühle bekommt neue Flügel

Greetsieler Zwillingsmühle mit halb fertigen neuen Flügeln

Ganz fertig geworden ist die Spezialfirma aus den Niederlanden damals nicht, während wir noch dort waren. Aber es sah auch so schon recht gut aus, vor allem im Vergleich zu vorher! Abends werden die beiden Mühlen übrigens angestrahlt. Von der Landstraße aus kann man dann prima Nachtaufnahmen machen. Ich war natürlich an der Stelle mal wieder unmotiviert und habe kein Foto gemacht. Um kurz nach Mitternacht gehen die Lampen übrigens aus, und das betrifft dann auch die Greetsieler Straßenbeleuchtung… es war sehr interessant, komplett im Dunkeln zurück zum Hotel zu trapsen. Hatte ich gruselig erwähnt?! Ist echt eher was für tagsüber dort!

Mit der Gretchen durchs Naturschutzgebiet Leyhörn

Naturschutzgebiet Leyhörn

Was ich auf jeden Fall empfehlen kann, ist eine Schifffahrt durch das Naturschutzgebiet Leyhörn. Die Leyhörn ist eine künstlich erzeugte Halbinsel mit reichlich Wasser in der Mitte. Man kann die Halbinsel teilweise betreten, der größte Teil ist aber aus Naturschutzgründen nicht zugänglich.

Fahrgastschiff MS Gretchen mit Silbermöwe im Vordergrund

Dafür kann man mit der MS Gretchen, einem kleinen Fahrgastschiff, hindurchfahren. Es geht einmal durch das Naturschutzgebiet, bis zur Schleuse Leysiel, und wieder zurück. Die Fahrt hat etwa 1,5-2 Stunden gedauert.

Naturschutzgebiet Leyhörn bei Greetsiel

Schafe auf dem Deich im Naturschutzgebiet Leyhörn bei Greetsiel

Naturschutzgebiet Leyhörn bei Greetsiel

Schleuse_Leysiel_2

Man fährt dann auch durch die Schleuse Leysiel. Hier ein moderner Muschelkutter, der vor uns ins offene Meer geschleust wurde. Hinter der Schleuse verlässt man kurz die Bundesrepublik, dreht eine kleine Runde mit Blick auf die Nordsee und wird dann wieder zurückgeschleust. Ich fand die Schleusung spaßig und interessant!

Blick aufs offene Meer aus der Schleuse Leysiel

Eine Möwe nistet auf einem Pfeiler

Neben den obligatorischen Möwen haben wir während der Fahrt auch viele andere Wasservögel gesehen. Mangels lichtstarken Teleobjektivs sind meine Fotos davon leider nicht so toll geworden. Aber das Erlebnis zählt ja auch, nicht wahr? Für mich hat sich die Schifffahrt auf jeden Fall gelohnt. Ohne winddichte Jacke kann ich mir übrigens nicht vorstellen, dass man so eine Fahrt auf dem offenen Deck überleben kann.

Der Pilsumer Leuchtturm

Pilsumer Leuchtturm

Den  Pilsumer Leuchtturm hatte ich mir zuhause schon als zu besuchende Sehenswüridigkeit rausgesucht. Der ist aber auch zu putzig mit seinen gelbroten Streifen! Ich hatte ihn mir auch ein bisschen größer vorgestellt, er ist doch recht klein geraten. Was ihn wiederum noch putziger macht, zusätzlich zu seinen hübschen Gardinen in den Fenstern und eben den knalligen Farben.

Vielleicht kennt ihr den Film „Otto – der Außerfriesische“ mit Otto Waalkes? Otto wohnt in diesem Film genau hier – im Pilsumer Leuchtturm. Deswegen heißt er bei manchen auch einfach nur Otto-Turm.

Pilsumer Leuchtturm

Pilsumer Leuchtturm

Schatten auf dem Pilsumer Leuchtturm

Der Pilsumer Leuchtturm ist etwa 5 km von Greetsiel entfernt, mit dem Auto ist man in unter 10 Minuten dort. Vorsicht mit dem Parkplatz: Man muss dort rund um die Uhr einen Parkschein ziehen. Ja, auch um 22 Uhr, wenn kein Ticketkontrolleur weit und breit zu sehen ist… Es gibt auch Führungen durch den Turm, allerdings nur 1-4-mal im Monat. Die Termine findet ihr hier, ich denke mal, für 2016 werden die Termine irgendwann demnächst eingetragen. Wir hatten damals leider nicht das Glück und konnten den Turm nur von außen ansehen.

Der macht übrigens sogar vor Schietwetterhimmel eine gute Figur!

Pilsumer Leuchtturm

An einem Abend sind wir zum Leuchtturm gefahren, um uns den Sonnenuntergang dort anzusehen. Es war echt kalt (trotz der vielgelobten winddichten Jacke), aber richtig schön mit dem goldenen Licht.

Chucks im goldenen Licht am Pilsumer Deich

Am Pilsumer Deich

Am Pilsumer Deich

Am Pilsumer Deich

Am Pilsumer Deich

Am Pilsumer Deich

Sonnenuntergang am Pilsumer Deich

Sonnenuntergang am Pilsumer Deich

Ich war gerne in Greetsiel und komme bestimmt noch mal wieder. Ich habe vor Ort auch die Möglichkeit einer Sonnenuntergangs-Bootstour gesehen. Leider finde ich das im Netz gerade nicht wieder. Da hätte ich auf jeden Fall große Lust drauf! Eine Fahrt zu den Seehundbänken ist auch immer schön. Und auch an Land gibt es noch einiges zu entdecken in der Krummhörn, z. B. in den vielen kleinen Warfendörfern in der Umgebung. Außerdem muss ich unbedingt noch die Zwillingsmühlen bei Nacht fotografieren. Ich freu mich schon!

9 Kommentare

  1. Wunderschöne Bilder! Danke für deinen Kommentar und dass ich deinen neuen Blog so kennenlernen durfte. Direkt mal abonniert! Das letzte Bild hier begeistert mich grad richtig! Wunderschön!

    • Dankeschön, das freut mich sehr! 🙂 Beim letzten Bild hatte ich echt Glück, dass mir die Gänse (?) genau in dem Moment vor die Linse geflattert sind. Manchmal hat man ja solche glücklichen Foto-Momente und weiß gar nicht, wie einem geschieht!

  2. Die Kutter im Hafen sind gar nicht so historisch 😉 Die werden alle noch regelmäßig genutzt und fangen die Krabben, die du dann später frisch z.B. bei De Beer kaufen kannst 😉

    • Das stimmt, wir haben bei unserer kleinen Ausfahrt auch einen der Kutter aus dem Hafen getroffen, der vom Fang zurückkam. Allerdings unterscheiden sie sich optisch schon recht deutlich von den modernen Kuttern wie dem, der auf dem Bild in der Schleuse zu sehen ist.

  3. Der „moderne“ Kutter ist ein Muschelkutter. Die „historisch“ aussehenden hingegen gehen auf Granat (= Krabben). Und wenn du mal eine Ferienwohnung oder ein (historisches) Haus in Greetsiel oder im Umland suchst, einfach melden.
    Und wenn dir nach einem schönen Ostfriesentee ist, einfach mal in die Grüne Mühle in Greetsiel spazieren: Dort bewirtschaftet meine Tochter das Café/Bistro. Lohnt sich, versprochen.
    Grüße ins Ruhrgebiet.

    • Ker, das mit den Kuttern ist ja eine richtige eigene Wissenschaft! 😉 In besagtes Café in der Mühle wollten wir bei unserem letzten Besuch im März tatsächlich, kamen dann aber doch nicht dazu. Ist das Café eigentlich noch relativ neu? Ich kann mich gar nicht erinnern, das im letzten Jahr schon gesehen zu haben. Aber da war ja auch noch ein bisschen was zu tun flügeltechnisch.
      Grüße ins wunderhübsche Ostfriesland!

      • MOIN, das Café in der Grünen Mühle wurde erst nach wieder kompletter Wiederherstellung der Mühle zum 15. Juli 2015 neu eröffnet. Zuvor gab es eine schon Jahre eine Teestube im Stil „Eiche rustikal“… Nun ist mit der jungen Chefin (Pächterin der Mühle) frischer Wind auch in die Mühle eingezogen – alles vollkommen neu gestaltet. Auch rustikal, aber mit Flair. Schön geworden. Schau mal auf facebook zum Beispiel. Lieben Gruß in den „Pott“ 🙂

      • Ah, sehr schön! Ja, ich erinnere mich an ein lustiges Schild über irgendein äußerst scharfes Getränk. 😉 Ich glaub, das hab ich auch fotografiert – vielleicht kommt es in den nächsten Beitrag, der noch in Produktion ist 🙂

  4. Greetsiel ist wirklich ein sehr schönes Fleckchen.

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