Buchcover "Die Dreizehnte Fee: Erwachen" von Julia Adrian

Die Dreizehnte Fee: Erwachen (Band 1)

Beim Stöbern nach Büchern aus dem Fantasy-Bereich bin ich letztens auf „Die Dreizehnte Fee: Erwachen“ von Julia Adrian gestoßen. Wie so häufig in diesem Genre, ist diese Geschichte in eine Trilogie gebettet. Der zweite Band „Entzaubert“ ist auch schon erschienen, genau wie der dritte Band „Entschlafen“.

Ich gebe es gerne zu – mit einem schönen Buchcover hat man mich schon halb begeistert. Dieses hier gefällt mir sehr gut. Es passt super zu der Geschichte und ist einfach gut gemacht. Der goldene Spiegel, die dunklen Brombeeren. Es wirkt märchenhaft, aber düster – genau passend zum Inhalt. Die Beeren und Blätter, die auf jeder Seite in den äußeren Ecken sind, finde ich auch wirklich hübsch. Sowas mag ich beim Lesen, auch wenn man es zwischendurch nicht mehr bewusst wahrnimmt.

"Die Dreizehnte Fee: Erwachen" von Julia Adrian

„Die Dreizehnte Fee: Erwachen“ erzählt die Geschichte einer ziemlich bösen Fee, die von ihren zwölf ebenfalls bösen Feenschwestern betrogen wurde und nach tausendjährigem Schlaf plötzlich wieder aufwacht – Dornröschen lässt grüßen. Die frisch Erwachte ist über den Betrug alles andere als erfreut und sinnt auf Rache. Auf diesem Weg begleiten wir die Fee durch das Buch, allerdings sind die Dinge nicht mehr so einfach wie in ihrem „ersten“ Leben. Die Welt hat sich in den 1000 Jahren verändert, und auch mit der Fee selbst ist etwas passiert. Etwas Seltsames. Die böse Fee ist nicht mehr nur böse, sie hat innerlich mit ihrer Vergangenheit und der Gegenwart zu kämpfen. Die Grenzen zwischen Böse und Gut verschwimmen, zwischen Schwarz und Weiß gibt es auf einmal eine Menge Zwischentöne. Der seltsame Hexenjäger, den die Fee in ihrem Dornröschenturm trifft, gibt der Fee und dem Leser Anlass zu noch mehr Fragen. Kurz: Es ist kompliziert.

"Die Dreizehnte Fee: Erwachen" von Julia Adrian

Das Besondere an der Geschichte ist, dass eine böse Figur sie aus der Ich-Perspektive erzählt und uns hautnah an ihrem Innenleben teilhaben lässt. Das war mal eine ganz andere Leseerfahrung für mich. Mit normalen Romanhelden identifiziert man sich ja in der Regel leicht. Sie sind auch nicht unbedingt das Gute in Person, sie haben Fehler, sind nicht perfekt. Das macht sie ja gerade zur idealen Projektionsfläche für uns selbst. Aber diese Fee – sie hat auch einen Namen, genau wie ihre Schwestern; ich möchte ihn aber hier nicht verraten, weil er im Buch erst ziemlich spät fällt – hat ziemlich viel auf dem Kerbholz. Vor ihrem kleinen Nickerchen war sie die Anführerin der Feen, die Königin. Das pure Böse: kaltherzig, zerstörerisch, grausam. Sie tötete Unzählige, wahllos und erbarmungslos.

Trotz alldem habe ich die Figur recht schnell liebgewonnen. Das klingt jetzt zugegebenermaßen in Kombination mit dem Satz davor ein bisschen üü. Aber: Ihre mörderische Vergangenheit kommt zwar immer wieder zur Sprache, aber im Hier und Jetzt der Geschichte erlebt man sie ganz anders, ihre vermeintlich vollkommene Bösartigkeit bekommt Risse. Sie sieht sich plötzlich mit menschlichen Gefühlen konfrontiert und muss lernen, damit zurecht zu kommen: Liebe, Eifersucht, Mitleid, Schuldgefühle. Immer, wenn es wieder einen Verweis auf ihr „erstes“ Leben gibt, dachte ich: Oh nein, wie kann das sein. Sie ist doch so zerbrechlich und eigentlich gar nicht so übel. Sie meint es doch jetzt gut! Kann sie nicht bitte einfach gut sein? Insofern hat mich die Autorin mit ihrer Erzählweise wohl ganz gut um den Finger gewickelt. 😉

Der Hexenjäger wird als extrem geheimnisvolle Figur aufgebaut, was der Autorin auch super gelungen ist. Er wird das ganze Buch über nicht richtig greifbar, obwohl er eine recht große Rolle spielt. Umso mehr will man natürlich über ihn erfahren. Mehr möchte ich über ihn auch gar nicht schreiben. Ihn entdeckt man am besten lesend. Ich hoffe aber, dass in den anderen beiden Büchern noch mehr über ihn enthüllt wird!

"Die Dreizehnte Fee: Erwachen" von Julia Adrian

Mit dem Schreibstil kam ich anfangs nicht ganz so gut zurecht. Er ist sehr unmittelbar, lebendig; die Sätze sind kurz, aber mächtig. Ich konnte das erst nicht ganz so flüssig weglesen, das gab sich aber bald. Der Roman ist im Präsens geschrieben, was ich eigentlich nicht ganz so gerne mag. Aber die Zeitform passt zu dieser Geschichte und zum Stil von Julia Adrian.

Viele bekannte Märchenmotive finden sich in der Handlung wieder. Neben Dornröschen sind das zum Beispiel Hänsel und Gretel, Frau Holle oder die Schneekönigin. Allerdings bestimmen die Märchenmotive die Handlung nicht in einem solchen Ausmaß, dass es vor lauter Bekanntem langweilig würde. Sie blitzen vielmehr immer wieder hier und da auf, ohne zu viel Raum einzunehmen.

Was ich erst nach dem Kauf bemerkt habe: Das Buch ist das Debüt von Julia Adrian. Sie hat es zuerst in Eigenregie veröffentlicht, ganz ohne Verlag. Mittlerweile erscheinen ihre Bücher beim Drachenmond Verlag, einem Indie-Verlag aus Leverkusen. Ich finde es spannend, Erstlingswerke zu lesen und neue Autoren zu entdecken.

Fazit

„Die Dreizehnte Fee: Erwachen“ war eine interessante Leseerfahrung für mich: die Erzählung aus der ungewohnten Perspektive der Bösewichtin, der besondere Schreibstil der Autorin. Die Geschichte hat mich schnell mitgerissen, und ich habe noch während des Lesens direkt das zweite Buch der Reihe gekauft. Zum Glück ist der dritte Teil im Sommer 2016 erschienen. Ich bin gespannt, wie die Geschichte endet, ob sich meine leise Hoffnung auf ein glückliches Ende noch erfüllen wird. Ich hätte so gerne ein glückliches Ende für die fiese Fee!

[Zuletzt überarbeitet am 31.12.2016]

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