Ausblick ins Tal bei Oberhundem, Sauerland

Raus aufs Land: Oberhundem im Spätsommer

Wie genau ich im vergangenen Sommer auf die Idee kam, ausgerechnet in Oberhundem Urlaub machen zu wollen, kann ich gar nicht so genau sagen. Schließlich gibt es im Sauerland viele Dörfer, die dafür in Frage kommen. Es war irgendwie Zufall. Außerdem fand ich den Namen lustig, und meine erste Assoziation war: Da liegt der Hund begraben! Für mich kein Hindernis, sondern im Gegenteil der ideale Ausgangspunkt für einen ruhigen Wander- und Ausruhurlaub auf dem Land.

Oberhundem, Sauerland, Mittelgebirge, Landschaft, Wald, Wandern

Oberhundem ist ein wirklich ausgesprochen überschaubares Dorf im südlichen Sauerland. Um die 850 Menschen leben dort. Die große Party sucht man hier wohl vergeblich – außer beim Schützenfest! –, dafür gibt es endlose Wanderwege durch endlose Wälder. Wer vom Alltagsstress genug hat und Ruhe sucht, gerne in der Natur an der frischen Luft ist und Nadelbäume mag, ist quasi prädestiniert für einen Urlaub im Sauerland. Und in Oberhundem gibt es von alldem auch reichlich.

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Sauerländische Dorfidylle

Unser Anreisetag war der letzte heiße Sommertag 2015. Wir konnten noch einmal Sonne satt tanken, ordentlich schwitzen und dem Sommer Tschüssikowski sagen. Oberhundem präsentierte sich dadurch auch gleich von seiner schönsten Seite.

Oberhundem, Blumenkübel, Sommer

Oberhundem, Sauerland, Mittelgebirge, Dorfidylle

Unser erster Erkundungsspaziergang durch das Dorf fand also in tollstem Sonnenschein statt. Die bunten Blumen in den Blumenkübeln haben mit dem Weiß der Fachwerkhäuser richtig um die Wette gestrahlt, und ich war sofort ganz verliebt in diesen idyllischen Fleck Erde.

Oberhundem, Sauerland, Fachwerkhaus,Sommer

Oberhundem, Sauerland, Dorfidylle

So ein Haus im Grünen würde mir auch gefallen. Ich mag es, wenn der Fensterausblick grün ist. Bestimmt kann man da auch super Singvögel beobachten!

Unerwartet führte uns unser Dorfspaziergang dann in eine wahre Oase, so angesichts der Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke: Im Kurpark oberhalb des Dorfkerns entdeckten wir nach einem leicht schweißgebadeten (obwohl nicht besonders steilen) Aufstieg ein eiskaltes Kneipp-Becken! Das war an diesem Tag wirklich eine Offenbarung. Über die Abkühlung habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind. Ich bin bestimmt achtmal durch dieses Becken gestiefelt und hatte so richtig Spaß inne Backen. Ein genialer Auftakt für den Urlaub!

Oberhundem, Kurpark, Sauerland, Kneippbecken, Sommer

Einen Minigolfplatz gibt es im Kurpark auch. Wir haben es allerdings leider nicht geschafft, ihn auszuprobieren.

Der Tag war ein wirklich würdiger Abschied für den Sommer. Ich war zu dem Zeitpunkt sowieso schon lange fertig mit dem Thema – mir war’s 2015 viel zu lange heiß! Hitze vertrage ich irgendwie gar nicht mehr gut. Deswegen habe ich mich am zweiten Tag in Oberhundem sogar über den ausdauernden Regen gefreut. Endlich wieder durchatmen und ne lange Hose anziehen. Ok, und ne Regenjacke. Aber das war dann wirklich kein Problem.

An so einem Regentag kann man sich die Zeit ein wenig im kleinen Stickereimuseum vertreiben, in dem es Stickereien aus dem 18. bis 20. Jahrhundert zu sehen gibt. Das ist natürlich für allem für Handarbeitsfreunde interessant. Ich fand es als Nicht-Stickerin aber auch recht faszinierend, was für filigrane Kunstwerke dort ausgestellt sind. Das Museum ist im ehemaligen Pfarrhaus untergebracht, einem 1685 erbauten Fachwerkhaus in der Oberhundemer Dorfmitte:

Dorfmitte in Oberhundem, mit dem Stickereimuseum im Hintergrund

Das Foto ist natürlich nicht an besagtem Regentag entstanden. 😉 Sehenswert ist außerdem das Schloss Adolfsburg, ein barockes Wasserschloss aus dem 17. Jahrhundert.

Schloss Adolfsburg in Oberhundem, Sauerland

Das Schloss ist heute bewohnt, es gibt dort Eigentumswohnungen und sogar zwei Ferienwohnungen. Deswegen kann man es leider nur von außen besichtigen, oder man mietet sich in eine Ferienwohnung ein ;). Man kommt aber immerhin auch so in einen Teil des Innenhofs und kann sich dort etwas umsehen. Dabei habe ich dann festgestellt, dass in Oberhundem selbst die Vögel in Fachwerkhäuschen wohnen:

Vogeläuschen aus Fachwerk im Schloss Adolfsburg, Oberhundem, Sauerland

Wenn eure Pläne konkreter werden und ihr im Schloss oder woanders temporär unterkommen möchtet: Hier findet ihr eine Übersicht über die Übernachtungsmöglichkeiten in Oberhundem.

Direkt neben dem Schloss liegen übrigens das Hallenbad Oberhundem und die Oberhundemer Wellness-Oase mit Sauna und Massage-Angeboten. Am besten schaut ihr vorher nach den Öffnungszeiten. Das Hallenbad wird ehrenamtlich betrieben und auch von Schulen und Vereinen genutzt, deswegen ist es nicht den ganzen Tag öffentlich zugänglich.

Die Wanderstiefel schnüren

Ausblick auf den Wald bei Oberhundem, Sauerland

Um Oberhundem herum dominiert definitiv die Farbe Grün: Fichtenwälder, Wiesen und Felder, wohin man schaut. Das Wanderwegenetz ist hier wirklich gut, wie generell im Sauerland. Mit dem Rothaarsteig ist das Dorf auch an einen recht bekannten Fernwanderweg angeschlossen, der auf 154 km Länge von Brilon bis ins hessische Dillenburg führt.

In Oberhundem gibt es mit der Oberhundemer Bergtour auch eine von sechs Rothaarsteig-Spuren. Das sind Rundwege, die vom Rothaarsteig ausgehen und sich für halb- oder ganztägige Touren anbieten. Für uns war die Bergtour mit ihren 11,6 km aber immer noch etwas zu lang. Wobei die 446 Höhenmeter, die es zu überwinden gilt, das noch größere Problem gewesen wären. 😉 Ein bisschen Kondition und ein wenig Zeit braucht man für diese Tour auf jeden Fall. In diesem Wanderbericht wird die Laufzeit mit 4 bis 4,5 Stunden angegeben. Wahrscheinlich lohnt es sich aber, da vorsichtshalber noch ein bisschen was draufzurechnen für die Planung.

Die Tour führt auch am urigen Alpenhaus vorbei. Ein Abstecher dorthin wurde uns von mehreren Seiten empfohlen, aber wir haben es zeitlich leider nicht mehr unterbekommen. Bei meinem nächsten Besuch wage ich die Bergtour vielleicht doch mal – mit etwas Zeitpuffer!

Disteln im Sonnenlicht in Oberhundem, Sauerland

Wer wie ich kein geübter Wanderer ist, aber trotzdem gerne raus in die Natur möchte, kann die Oberhundemer Kur- und Nordic-Walking-Wege benutzen. Die sind ideal für kürzere Wanderungen: Es gibt insgesamt acht Rundwege mit Längen zwischen 2,9 und 8 km. Die Wege starten im Dorf und führen in die nähere Umgebung.

Wir sind zwei Wege gegangen: Den Schwartmecker Weg (Weg VI, 6 km) und den Abendweg (Weg VII, 3,7 km). Mir haben beide Strecken richtig gut gefallen und Lust auf mehr gemacht!

Blick auf Oberhundem mit der Adolfsburg, Sauerland

Am Abend des Regentags waren wir auf dem Abendweg unterwegs. Links seht ihr noch mal das Schloss Adolfsburg. Die Farben in der Natur waren fast schon herbstlich, und die Luft war noch ziemlich feucht vom Regen. Der Nebel über dem Tal war wirklich hübsch anzusehen.

Die Kur- und Nordic-Walking-Wege sind für Konditionsschwache ganz gut zu schaffen, auch wenn sich Anstiege in einer Mittelgebirgsregion naturgemäß nicht ganz vermeiden lassen. Eine Ausnahme ist der Schlossweg (Weg I, 2,9 km), der kaum Steigungen hat. Ich bin auf Weg VI und VII einfach zwischendurch stehen geblieben, wenn ich nicht mehr konnte. Dadurch dauerte es zwar etwas länger, aber zum Fotografieren muss man ja eh gelegentlich anhalten. *hust*

Die Kur- und Nordic-Walking-Wege-Karte für Oberhundem

Es gibt eine kleine Faltkarte mit den Kur- und Nordic-Walking-Wegen drauf. Dort ist auch die Schwierigkeit der Steigungen verzeichnet. Leider gibt es die Karte nicht im Netz, ihr könnt sie aber vor Ort beim Kur- und Verkehrsverein für 1,50 € kaufen.

Im Netz findet ihr dafür die Kirchhundemer Wanderbroschüre mit zehn Wandertouren zwischen 8 und 15 km Länge, von denen zwei direkt in Oberhundem starten. Die restlichen Touren führen von anderen Startpunkten aus an weitere schöne Orte in der Umgebung, wie den Albaumer Klippen oder den Aussichsturm Hohe Bracht in Lennestadt.

Es ist aber letztlich fast egal, wo ihr genau herwandert. Es ist so viel wunderschöne Natur drumherum, man kann hier eigentlich nichts falsch machen. Ein paar Eindrücke vom Schwartmecker Weg möchte ich euch hier noch zeigen:

Fichten in Oberhundem, Sauerland

Kleiner Fliegenpilz in Oberhundem, Sauerland

Holzstapel im Wald in Oberhundem, Sauerland

Wald in Oberhundem, Sauerland

Ausblick ins Tal bei Oberhundem, Sauerland

Wald in Oberhundem, Sauerland

Rotkehlchen auf Fichtenzweig in Oberhundem, Sauerland

Wald in Oberhundem, Sauerland

Blick auf Schwartmecke, Sauerland

Kuhweide in Schwartmecke, Sauerland

Katze im Porträt

Diese zutrauliche Katze ist uns in Schwartmecke über den Weg gelaufen. 🙂

Tiere im Panorama Park

Bison im Panorama Park bei Oberhundem, Sauerland

Weil mein Freund Bisons toll findet, sind wir auch im Panorama Park gewesen. Das ist hauptsächlich ein Vergnügungspark für Kinder, aber es gibt dort auch einen Wildpark mit Wölfen, Luchsen, diversen Hirscharten und eben auch einer Herde Bisons. Bisons sind gemütliche Riesen mit dicken Köpfen und ganz viel Fell. Ich kannte sie vorher nur aus Tier-Dokus.

Bison im Panorama Park bei Oberhundem, Sauerland

Bisons im Panorama Park bei Oberhundem, Sauerland

Der Panorama Park ist von Oberhundem etwa 5 km entfernt und mit dem Auto sehr schnell zu erreichen. Man sollte bei den Serpentinen allerdings etwas Vorsicht walten lassen, vor allem auf dem Rückweg. 😉

Den Eintrittspreis fand ich mit 12 € pro Nase ganz schön happig. Enttäuscht waren wir auch darüber, dass die tolle Brücke über das Wolfsgehege wegen Reparaturarbeiten komplett gesperrt war. Da wären wir gerne hergegangen. Am Sessellift hing ein Schild „Heute geschlossen“. Also hieß es wieder kraxeln und schwitzen. Als wir ein paar Stunden später wieder dort vorbeikamen, lief der Lift plötzlich doch. Was wir auch bedenklich fanden: Das Luchsgehege könnte größer sein und befindet sich in direkter Nähe zur Kettcarbahn. Dort war es ziemlich laut, und die Luchse sahen nicht sonderlich glücklich aus.

Reh im Wildpark, Nahaufnahme

Entspannter ging es zum Glück bei diesem zutraulichen Reh zu. Das Waschbärgehege hingegen ist auch mittenrin im Kinderspieltrubel, finde ich auch nicht so gelungen. Eine bessere Trennung zwischen Spielbereich und Wildpark wäre für die Tiere sicher schöner.

Waschbär im Wildpark

Ich müsste nicht unbedingt noch mal dort hin, auch wenn sich der Besuch dank der Bisonherde und der anderen Tiere schon für uns gelohnt hat. Familien mit Kindern haben vom Panorama Park aber sicher wegen der ganzen Spielmöglichkeiten deutlich mehr.

Auf dem Rückweg nach Dortmund haben wir noch einen Stop in Attendorn eingelegt, um die Atta-Höhle zu besichtigen. Die Tropfsteinhöhle ist ziemlich groß und voller bizarrer und hübsch angeleuchteter Tropfsteinformationen. Da ich konsequent nach jeder Tropfsteinhöhlen-Besichtigung wieder vergesse, welche Pinne nun Stalagmiten und welche Stalagtiten sind, lohnt sich eine Führung für mich sowieso immer wieder. 😉 Das Fotografieren ist in der Höhle verboten, deswegen habe ich leider keine Fotos. Hier gibt es aber ein paar Eindrücke. Die Atta-Höhle ist die Top-Sehenswürdigkeit in Attendorn, würde ich sagen. Und das zurecht! Diese Jahrmillionen alten glitschigen Kuriositäten sind wirklich beeindruckend. Ein gewisses Grundinteresse natürlich vorausgesetzt.

Nach der Höhlenführung haben wir uns noch Kaffee und Kuchen auf der Terrasse des Höhlenrestaurants genehmigt, was durchaus als würdiger Abschluss des Urlaubs anerkannt werden kann.

Ich hoffe, ich konnte euer Herz ein bisschen für das südsauerländische Oberhundem und seine hügelige Umgebung erwärmen. In Oberhundem liegt zwar in der Tat der Hund begraben, aber für mich ist das wirklich absolut nichts Negatives, ganz im Gegenteil. Gerade, aber nicht nur für Stadtbewohner.

2 Kommentare

  1. Hallo Tina, wir sind zufällig auf Ihren tollen Bericht über Ihren Aufenthalt in Oberhundem gestoßen.
    Ein großes Lob von uns als Ferienhausbetreiber in Oberhundem. Ihr Bericht und auch die Bilder sind einfach klasse !

    Viele Grüsse aus Oberhundem im Sauerland

    Familie Silva
    – Silva Ferienhäuser –

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