Magisterium: der Dornröschen-Bücherwurm erwacht

Magisterium: der Dornröschen-Bücherwurm erwacht

Das ist kein Titel für einen Film über irgendwelche verschlafenen wirbellosen Tiere. Stattdessen möchte ich euch ein bisschen von meiner kürzlich wieder erwachten Freude am Lesen berichten und davon, wie und durch welches Buch es dazu kam.

Vom Bücherwurm zum Dornröschen

Ich habe als Kind und Jugendliche super viel gelesen und hatte sehr viel Spaß dabei. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende verschlungen habe; wie ich nicht mehr aufhören konnte, zu lesen. Ich war gebannt von dieser Geschichte, von der Fantasiewelt, vom Verschwimmen der Grenzen zwischen Realität und Fantasie.

Magisterium Band 1 und 2 und eine Lightbox mit der Aufschrift "Bookworm"

Lesen war ein selbstverständliches Hobby für mich. Das sorgte manchmal auch für skurrile Jugendmomente – zum Beispiel wenn man noch so jung ist, dass man zwischen Schriftsprache und gesprochener Sprache noch nicht so ganz trennscharf unterscheiden kann und dann unter gleichaltrigen Nicht-Leseratten Wörter wie „unwillkürlich“ ausspricht, weil sie einem aus Büchern vertraut sind. Das ist mir wirklich eindrücklich in Erinnerung geblieben. 😉

Leider war der ganze Lesespaß vorbei, als mein Studium anfing. Bücher gehörten in der Uni zwar in rauen Mengen zu meinem Alltag, aber die vielen wissenschaftlichen Texte hatten Lesen zu Arbeit gemacht.

Bücherstapel Studium

Ich konnte mir während der Studienzeit nur sehr selten vorstellen, in meiner Freizeit ein Buch zu lesen und das auch noch gut zu finden. Ich hatte immer im Hinterkopf: „Aber du musst für die Uni noch dies lesen und das lesen…“. Allein das schlechte Gewissen vermieste mir schon den Lesespaß. Also verirrte sich nur ganz vereinzelt mal ein Buch in meine Freizeit.

Ein Buch als Weckruf

Die wissenschaftlichen Textfluten habe ich jetzt schon eine Weile hinter mir gelassen, aber fürs Lesen konnte ich mich danach trotzdem nicht mehr so recht begeistern. Ich dachte nach dem Abschluss definitiv nicht: Oh toll, endlich kann ich wieder ein Buch zum Spaß lesen! Stattdessen ging die Freizeitbuchabstinenz erst mal eine ganze Weile weiter. Doch dann bin ich letztens zufällig bei Stef von magnoliaelectric auf ein Buch gestoßen, das den Bücherwurm in mir tatsächlich aus seinem jahrelangen Dornröschenschlaf reißen konnte: „Magisterium: Der Weg ins Labyrinth“ von Holly Black und Cassandra Clare. Warum genau dieses Buch mich wieder ans Lesen gebracht hat? So genau kann ich es mir auch nicht erklären. Irgendwie hatte es mein Interesse geweckt, und als ich dann erst mal dabei war, fiel mir alles wieder ein: wie entspannend es ist, ein Buch zu lesen, und wie gut es mir tut, weil sich das Abschalten vom Alltag beim Lesen automatisch einstellt.

Magisterium Band 1 Buchcover

Allein das Buchcover finde ich schon zauberhaft. Die glänzende orange Schrift auf schwarzem Grund und das verschnörkelte weiße Muster – alles zusammen wirkt wunderbar düster und passt super zum magischen Thema. Der Schriftzug „Magisterium“ ist übrigens ein Ambigramm. Das bedeutet, er kann von oben und von unten gleichermaßen gelesen werden. Ich wusste vorher gar nicht, dass es sowas gibt. Wieder was gelernt!

Auf dem Buchrücken heißt es vielsagend:

Callum Hunt hasste Magie – er hasste einfach alles an ihr

Drei Regeln hatte ihm sein Vater immer wieder eingeschärft:

  • Traue nie einem Magier.
  • Bestehe nie eine magische Prüfung.
  • Betrete unter keinen Umständen das Magisterium.

Call würde sie alle brechen …

Es geht um den zwölfjährigen Callum, der zur Aufnahmeprüfung für das Magisterium antreten muss und alles dafür tut, um durch die Prüfung zu fallen. Das Magisterium ist eine geheime Magierschule, und Calls Vater will unbedingt verhindern, dass sein Sohn dort aufgenommen wird. Dem gelingt es zwar tatsächlich, mit Pauken und Trompeten durch die Prüfung zu fallen, aber er wird zu seiner großen Verwunderung trotzdem aufgenommen. Call landet also doch in der geheimnisvollen unterirdischen Schule und erlebt dort sein blaues Wunder.

Gewisse Parallelen zu „Harry Potter“ lassen sich nicht leugnen. Callum ist Halbwaise, findet in der Magierschule zwei Freunde – einen Jungen und ein Mädchen –, mit denen er fortan im Dreiergespann unterwegs ist. Einen Fiesling als Mitschüler gibt es auch, die Figur ist allerdings meiner Meinung nach etwas ambivalenter gestaltet als Draco Malfoy aus „Harry Potter“. Der Feind des Todes ist der üble, kriegstreibende Bösewicht und erinnert etwas an Lord Voldemort. Aber letztlich sind die Parallelen nur formaler Natur. Die Geschichte hat ihre eigene Dynamik und die Charaktere sind keine schlechten Kopien der „Harry Potter“-Figuren, ganz im Gegenteil. Ich habe beim Lesen kaum an den weltberühmten anderen Zauberlehrling gedacht, und es fiel mir auch nicht wirklich schwer, mich von diesem Vergleich zu lösen. „Magisterium“ ist definitiv eine eigenständige Geschichte mit eigener Atmosphäre und hat mich richtig in seinen Bann gezogen!

Magisterium Band 1 aufgeschlagen

Call ist mir im Laufe des Buchs ziemlich ans Herz gewachsen. Er wird als typischer Außenseiter eingeführt, den niemand mag. Das ändert sich zwar im Magisterium, wo er erstmals lernt, wie es ist, richtige Freunde zu haben. Trotzdem ist er selbst in der geheimen Magierschule noch ein bisschen anders als die anderen und fällt immer wieder aus dem Rahmen. Sei es mit seinem lahmen Bein oder mit seinen bissigen Bemerkungen. Genau das hat ihn für mich sympathisch gemacht – er ist verletztlich und leidgeprüft, kann aber trotzdem ordentlich austeilen und lässt sich nicht unterkriegen. Um seine persönliche Geschichte ranken sich außerdem einige Geheimnisse, denen er erst nach und nach auf die Schliche kommt.

Das Buch ist der erste von geplanten fünf Bänden. Der zweite Band „Der kupferne Handschuh“ ist letztes Jahr im Oktober erschienen, die anderen drei fehlen noch. Weil ich so begeistert vom Auftaktbuch war, musste ich mir das zweite auch unbedingt bestellen. Der dritte Band erscheint wahrscheinlich im September 2016 auf englisch. „Der kupferne Handschuh“ kam 2015 im September und war im Oktober auf deutsch erhältlich, deswegen hoffe ich, dass das dritte Buch auch wieder im Oktober auf deutsch erscheint.

Lesepläne

Jetzt habe ich beschlossen, dass ich unbedingt wieder mehr lesen möchte. Ich habe mir schon einige andere Bücher ausgeguckt, vor allem aus dem Fantasybereich, aber auch eins über Bäume. Die werde ich jetzt ganz ohne Druck und nur dann, wenn ich Lust dazu habe, in aller Seelenruhe lesen! Also ganz anders als der jahrelange Textkonsum fürs Studium. 🙂 Ich freu mich schon! Es ist einfach so angenehm, lesend abzutauchen und alles andere zu vergessen, sich nur auf diese eine Geschichte zu konzentrieren. Ich kann zwar nicht mehr wie früher Nächte durchlesen… aber ein gesunder Lesehappen am Abend ist trotzdem drin und tut auch gut! Und wenn es wochenends mal wieder regnet, wie so oft in letzter Zeit, lässt sich auch eine längere Lesesession durchaus einrichten. Ich werde jetzt also wieder öfter den Alltag wegschicken, und die Grübelgedanken dürfen gerne mitgehen! Ich mache es mir dann solange auf dem Sofa gemütlich und entspanne mit einem Haufen Buchstaben auf Papier.

Mein Name ist Tina. Ich bin Anfang 30 und im Ruhrgebiet zuhause. Hier schreibe ich über das grüne Ruhrgebiet, schöne Ausflugs- und Reiseziele, Bücher und meinen Start ins Pferdemenschenleben als erwachsene Allergikerin. ;)

2 Kommentare

  1. Ich habe heute das erste Magisterium-Buch abgeschlossen und es hat mir sehr gut gefallen.
    In vielen Kritiken habe ich von Ähnlichkeiten zu Harry Potter gelesen, allerdings sehe ich diese Parallelen in weiten Strecken des Buchs nicht. Oftmals ist es so, dass man eine Szene für einen Abklatsch von HP hält, diese sich aber eigenständig und in eine vollkommen andere Richtung entwickelt, ohne ein „Gegenentwurf“ von HP sein zu wollen. Die paar Ähnlichkeiten, die es dann tatsächlich gibt, könnten auch aus unzähligen anderen Büchern oder Filmen kommen und es ist anzunehmen, dass Joanne K. Rowling diese Vorlagen ebenfalls kannte 😉
    Letztenendes ist der Vergleich zwischen Harry Potter und Magisterium ähnlich müßig wie ein Vergleich zwischen Star Wars und Star Trek: Ja, beide spielen im Weltraum, aber da enden die Parallelen dann auch.

    Gefallen hat mir besonders, dass das Buch nicht vorhersehbar ist. Ich habe beim Lesen dauernd gedacht „Ja klar, offensichtlicher gehts nicht, oder? Natürlich ist unser Held XYZ!“ und wurde gegen Ende eines Besseren belehrt – ausgezeichnet! Über das gesamte Buch gibt es einzelne kleine Details, die man nicht mit dem bisherigen Verlauf der Handlung in Einklang bringen kann. Mit dem Wissen der letzten Seiten wird einem vieles klar und das Buch lädt zum erneuten Lesen ein. Für den ersten Teil einer Fünferreihe finde ich das stark.

    Unpassend fand ich das Alter der Protagonisten: Im Buch sollen sie zwölf Jahre alt sein, handeln, denken und sprechen aber wie 17-jährige. Das fällt nicht weiter negativ auf, aber bei jeder Erwähnung des Alters konnte ich mir ein „Oh really?“-Grinsen nicht verkneifen.

    Danke für die Empfehlung des Buchs, ich freue mich schon auf Teil 2 🙂

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